Vom Diskotanz zum Technotanz
From Discodance to Technodance




Disco
Tanztrend der siebziger Jahre, der musikalische Spielweisen sowie die Kleidung und Lebensweise des Disco-Publikums umfaßte. Nach dem Konzept der in Frankreich entwickelten Diskothek tanzten Nachtschwärmer in Paris und New York zu Schallplattenmusik und einer animierenden Show mit Lichteffekten. Grundprinzip der Disco-Musik war das permanente Animieren zu rhythmischer Körperbewegung. Die Qualität der Orchestrierung und das Niveau der Gesangstexte schienen dabei oftmals zweitrangig. Ein durchgehender Beat zwischen 120 und 130 Taktschlägen pro Minute und simple Vokalchiffren mit Aufforderungscharakter wie " Come on, let's dance ", " Party ! ", " Get up and boogie ! " sprachen vor allem homosexuelle Disco-Jünger an, die in den New Yorker " Gay "-Reservaten das Wochenend-Tanzvergnügen zum gleichgeschlechtlichen Freizeit-Ritual erhoben hatten. Schicker Hedonismus war in Kleidung wie Gestus en vogue. Der Producer hatte bei der Herstellung von Disco-Musik den wichtigsten Part, Sänger und Spieler schienen austauschbar. So stiegen denn Giorgio Moroder ( Donna Summer), Cerrone, Barry White, Jacques Morali (Ritchie Family, Village People), Frank Farian (Boney M, Milli Vanilli), später auch Stock Aitken Waterman ( Kylie Minogue), Luca Anzilotti und Michael Münzing ( Snap !) zu Stars der Szene auf. Disco-Musik wurde zunächst von chauvinistischen Rock-Fans als Ghetto-Sound für Schwarze, Schwule und Schwachsinnige stigmatisiert. Der Erfolg des Films Saturday Night Fever (1977) und der Rekordumsatz des Soundtracks (über 20 Millionen Exemplare) machten Disco als Massenartikel akzeptabel. Rockstars wie The Rolling Stones, Rod Stewart, Beach Boys, Electric Light Orchestra nahmen Stücke im Disco-Rhythmus auf, Clubs wie das New Yorker Studio 54 wurden zum Wochenend-Woodstock für die schicke Clique der Trendsetter. Das Magazin Billboard meldete 1978 einen Umsatz an Disco-Platten in Milliardenhöhe. Doch kurze Zeit später geriet die Discomusik-Szene in den Verruf erschreckender Belanglosigkeit, da sich immer mehr Scharlatane und Absahner unter das Nacht & Neon-Volk mischten. In den achtziger Jahren erlebte der L'art-pour-l'art-Sound ein Comeback als Dance Music mit zahlreichen Überläufern aus dem Rocklager und kräftigen Infusionen von schwarzer Funk-Musik. Gewiefte Manager und profilhungrige Szene-Kids wußten selbst marginalen Variationen der Dance Music phantasievolle Namen zu geben, als handele es sich um aufregende neue Markenartikel. So annoncierten die dancebegeisterten Ghetto-Tüftler aus Washington, D. C., ihre Tanzboden-Klänge als Go-Go, von Chicago aus wurde die House Music propagiert, in Londoner New Wave-Zirkeln grassierte der Electro Beat, aus Ibiza schwappte der Balearic Beat aufs Festland, in Belgien meldeten sich die Jünger des New Beat. Rap-Musik und das dazugehörige Hip Hop-Milieu der Graffiti-Sprüher lieferten den akrobatischen Breakdance, Samt & Seide-verrückte junge Schwarze und Puertorikaner dachten sich in New York die Posiertanzmode Vogueing aus. Während in den achtziger Jahren aus House allmählich Techno (Tekkno) wurde und Hip Hop zur führenden Tanzmusik avancierte, wuchs in Großbritannien die Rave-Szene zu beachtlicher Größe. Die Konzerte von Bands wie The Farm und Happy Mondays waren stundenlange Tanzveranstaltungen, bei denen der Auftritt der Musiker eines von vielen Elementen waren. Diese Raves genannten Konzerte / Partys waren allerdings eine sehr kurze Erscheinung ; seit Beginn der neunziger Jahre ist Techno die bestimmende Dancefloor-Music. Wie immer wurde von kommerziell interessierter Seite auch diese Tanzmusik zu einer ganzen Lebensauffassung hochstilisiert.

Breakdance
Spezielle Tanz-Manier, im Schwarzen- und Puertorikaner-Ghetto New Yorks entwickelt. Ein Ritual aus akrobatischen Drehbewegungen, roboterhaften Zuckungen und rasanter Fuß-Artistik, das pubertäre Spannungen zwischen rivalisierenden Straßengangs, jugendlichen Frust und Übermut in rhythmischer Bewegung auflöste. Zum Breakdance gehören unterschiedliche Stilbereiche wie Electric Boogie und Smurf mit jeweils unterschiedlichen Bewegungsformen. Den akrobatischen Stilen stehen pantomimische Glanzleistungen gegenüber, die wie Bewegungen in einem imaginären Labyrinth oder Hindernisläufe in Zeitlupe wirken. So schnell der Breakdance die Großstädte der westlichen Welt eroberte, so schnell verschwand die mitunter sehr ästhetische Straßenkunst wieder Mitte der achtziger Jahre.

Dancefloor
Hinter dem harmlosen Wort "Tanzboden " verbirgt sich eine ganze Musikwelt, die nur gelegentlich auch Rockmusik meint. In erster Linie gehören zur Dancefloor Music House, Hip Hop, Jungle und Techno. Stars in Deutschland : Snap ! und Marusha.

House
Als dem Discjockey Frankie Nuckles 1977 / 78 in der Chicagoer Diskothek The Warehouse die übliche Disco Music zu langweilig wurde, verband er Soul, Disco und elektronische Musik etwa von Kraftwerk zu phantasievollen und ausufernden Collagen. Diese Idee wurde von anderen DJs aufgegriffen. Der neue Tanzmusik-Stil firmierte bald unter der Bezeichnung House und hatte sich etwa 1987 weltweit durchgesetzt. Aus House, das noch in verschiedene Kategorien wie etwa Deep House unterteilt wird, ging Techno hervor.

Hip Hop
Sammelbegriff für Aktivitäten und Protagonisten der Minoritäten-Subkultur, der Breakdance, Rap und die spontane Straßenkunst der Graffiti-Sprüher wie auch Basketball und Skateboarding mit einschließt. Schwarze und Hispanos kreierten Ende der siebziger Jahre diese Stilformen der Hip Hop-Szene in einer Mischung aus Selbstbehauptungswillen, Status- und Konkurrenzkampf : " ein farbiges Muster städtischer Straßenkultur, gewoben aus Black Pride und schierer Macho-Lust. Dem Gegner wurde mimisch und verbal der Hals gebrochen, physisch blieb er unverletzt " (Der Spiegel). Herausragende Stilmittel von Hip Hop sind Rap, Funk-Rhythmus, gelegentliche längere oder kürzere Gesangsparts, der Einsatz von Samplern, Synthesizern und Computern und ein relativ langsames Tempo. Hip Hop ist mit Beginn der neunziger Jahre zur stärksten Strömung innerhalb der schwarzen Musik geworden und nahm auf die gesamte Rockmusik Einfluß, wie auch Hip Hop andererseits Elemente der Rockmusik übernahm, ohne selbst Rockmusik zu sein. Jungle ist eine innige Verbindung von Elementen der Dancefloor-Stile Raggamuffin und Techno. Die in Großbritannien unter anderem von dem Raggamuffin-Star General Levy Anfang der neunziger Jahre kreierte Musik verbindet aberwitzig schnell gespielte Rhythmus-Tracks (bis zu 160 BPM) mit langsamen Reggae-Bässen. Die Themen der bereits Mitte der neunziger Jahre in zahlreiche Ableger-Stile aufgesplitterten Tanzmusik finden sich auf den Straßen der heruntergekommenen Großstadtviertel : Gewalt, Drogen, Perspektivlosigkeit. Rap, vom amerikanischen Slangwort für " vollquatschen " : eine Erfindung schwarzer Kids aus dem Ghetto, " wo das quicke Wort nicht selten als Machete für den Kampf durch den Großstadt-Dschungel taugt " (Der Spiegel). Die Rapper legten über ein simples Disco-Grundmuster aus Baß- und Schlagzeugfiguren einen rhythmisch präzise angepaßten Sprechgesang, der mit Zungenakrobatik den Jargon der Kiez-Kneipen, Spielhöllen, Sportplätze, Schulhöfe in clevere Reime faßte und schwarzen Straßen-Talk zur poetisch-verrückten Litanei verklärte. Dabei behandelten die Rap-Artisten Sprache und Wörter wie virtuose Basketball-Dribbler den Ball: Die Sturzflut ihrer zum " funky beat " gesprochenen Verse spülte rotzige Anmerkungen über Sex und Geld und narzißtisch-prahlerische Lobessalven über die eigene Größe heraus und mündete nicht selten in unverhohlene Aggressionen (Gangsta Rap). Die freche, selbstbewußte Straßenpoesie, die im Talking Blues einen Vorläufer hat, war dabei auch das trotzige Echo auf Verzweiflung und Wut über Ghetto-Zustände und Diskriminierung. Zu den stilprägenden Rap-Artisten gehörten Sugar Hill Gang, Kurtis Blow, Grandmaster Flash and the Furious Five, Run-D.M.C., Public Enemy, Salt 'n Pepa.

Rave
Ende der achtziger Jahre wurde damit die Musik von The Farm, Stone Roses und anderen Bands, häufig in Manchester beheimatet, bezeichnet. Deren Konzerte uferten regelmäßig zu langanhaltenden Partys aus, so daß der Begriff bald auf derartige Veranstaltungen angewendet wurde, zu denen auch der Gebrauch von Drogen gehörte. In den neunziger Jahren wurde das Wort Rave synonym zu Party benutzt, die begeisterten Anhänger dieser Techno- und Hip Hop-Meetings nennen sich Raver.

Techno
Als Vorsilbe gebraucht (Techno-Pop), bezeichnet Techno immer Musik, in der Synthesizer eine große Rolle spielen. Die Tanzmusik Techno dagegen wird ausschließlich mit Hilfe von Samplern, Drum Boxes, Synthesizern und Computern gemacht ; selbst die Sänger kommen oft aus der Konserve. Techno, dann manchmal auch Tekkno geschrieben, ist vor allem am schnellen Viertel-Achtel-Beat der Bass Drum zu erkennen. Ansonsten ist musikalisch alles erlaubt, was die Leute auf die Beine bringt.

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eyes Last update: 01.March 2013 by Franziska und Rudolf. Current pagename: techno.shtml